Der Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" weitet sich immer mehr aus. Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson trat wegen der Vorwürfe der Verstrickung seiner Behörde in die Affäre von seinem Amt zurück. Die Polizei in London nahm die frühere Chefredakteurin des Blattes und enge Vertraute von Verleger Rupert Murdoch, Rebekah Brooks, zwischenzeitlich fest.
Stephenson, Chef der Metropolitan Police, wie Scotland Yard offiziell heißt, begründete seinen Rücktritt in einer live vom Fernsehen übertragenen Stellungnahme mit den "Spekulationen und Anschuldigungen" über Verbindungen von seiner Behörde zur Zeitungsgruppe News International. Er habe sich aber nichts vorzuwerfen, betonte Stephenson. Der Polizeibehörde wird vorgeworfen, trotz erster Vorwürfe gegen "News of the World" im Jahr 2005 den Abhörskandal nicht aufgedeckt zu haben. Premierminister David Cameron bedauerte den Rücktritt Stephensons. Dies sei ein "trauriger Moment für ihn". Cameron selbst steht wegen seiner einst engen Kontakte zu Murdoch-Medien in der Kritik. So machte er einen ehemaligen Chefredakteur der "News of the World", Andy Coulson, zu seinem Sprecher. Die "News of the World" war im Zuge immer neuer Enthüllungen um das Abhören von Handy-Mailboxen tausender Menschen, darunter Verbrechensopfer und Prominente, vor einer Woche eingestellt worden. Murdoch schaltete am Wochenende große Anzeigen in der Presse, in denen er sich für den Skandal entschuldigte. Brooks erschien nach einer Vorladung bei der Polizei und wurde dann festgenommen. Nach zwölfstündiger Befragung wurde sie gegen Mitternacht gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt, wie die Polizei mitteilte. Sie muss Ende Oktober wieder auf einer Polizeistation vorstellig werden. Die 43-Jährige war zur Zeit des Abhörskandals für die "News of the World" verantwortlich, bis zu ihrem Rücktritt war sie Chefin von Murdochs britischer Zeitungsgruppe News International. Laut Polizei steht Brooks unter Verdacht, für die Bestechung von Polizisten und das Abhören von Mailboxen mitverantwortlich zu sein. An der australischen Börse verloren die Aktien von Murdochs News Corp am Montag mehr als fünf Prozent an Wert. Bereits in der vergangenen Woche hatte sie knapp zwölf Prozent eingebüßt.
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