Donnerstag, 20. Oktober 2011

Weniger Ehepaare - mehr Paare ohne Trauschein

Die Zahl der Ehepaare ist im vergangenen Jahrzehnt gesunken, die der Alleinstehenden und Lebensgemeinschaften ohne Trauschein hingegen gestiegen: 2010 lebten in Deutschland 18,2 Millionen Ehepaare - 1,3 Millionen oder sieben Prozent weniger als im Jahr 2000, wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Sozialbericht 2011 hervorgeht. Laut der vom Statistischen Bundesamt vorgestellten Studie stieg im selben Zeitraum die Zahl der Lebensgemeinschaften unverheirateter Partner um 24 Prozent auf 2,6 Millionen und die Zahl der kinderlosen Alleinstehenden um 18 Prozent auf 17,4 Millionen.

Der alle zwei Jahre erscheinende Datenreport ist ein Gemeinschaftsprojekt des Statistischen Bundesamtes, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Roland Habrich vom WZB warnte angesichts des Rückgangs bei Eheschließungen und Geburten sowie der hohen Scheidungszahlen davor, auf einen generellen Bedeutungsverlust der Familie in der Bevölkerung zu schließen. Vielmehr sei für 70 bis 80 Prozent der Menschen die Familie wichtig für ihr Glück: "Seit 1988 hat diese positive Einstellung zur Familie sogar zugenommen." Allerdings sei ein längeres Zusammenleben für Jüngere weniger ein Heiratsgrund als für Ältere.

In der Untersuchung werden die Ergebnisse der Statistiker und der sozialwissenschaftlichen Forschung zusammengeführt, um ein differenziertes Bild der Lebensverhältnisse in Deutschland zu zeichnen. Mit Blick auf die Verteilung des materiellen Wohlstands kommt der aktuelle Sozialbericht zu dem Schluss, dass es für arme Menschen heute schwieriger geworden ist, aus der Armut wieder herauszufinden. So sei das Risiko, im unteren Bereich der Einkommensskala zu bleiben, seit den 1980er Jahren von 57 auf 65 Prozent gestiegen.

Eine Zunahme verzeichneten die Wissenschaftler bei der Erwerbstätigkeit von Frauen. Laut Statistischem Bundesamt stieg der Anteil der Frauen, die ihren Lebensunterhalt vorwiegend aus eigener Erwerbstätigkeit finanzieren, in Westdeutschland von 38 Prozent im Jahr 2000 auf 42 Prozent im vergangenen Jahr. Im Osten kletterte der Anteil im selben Zeitraum von 41 auf 45 Prozent.

Nach Angaben des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, belegt der Report zudem die Abhängigkeit junger Menschen von Ausbildungsstand ihrer Eltern. 2009 kamen demnach nur zehn Prozent der Gymnasiasten aus Familien, in denen die Eltern einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Schulabschluss gemacht hatten. Dagegen besuchten 60 Prozent der Kinder das Gymnasium, deren Eltern selbst über das Abitur verfügten. Diese "enge Verzahnung" zwischen den Bildungsbiografien von Eltern und ihren Kindern müsse sich verändern, forderte Krüger.

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